Den Markt beobachten. Fundiert entscheiden.
Welche Nutzungsprofile neu entwickelt werden, hängt in erster Linie vom Interesse am Markt ab. Liegt eine konkrete Nachfrage vor, schätzt die DGNB Geschäftsstelle zunächst das Marktpotenzial ein. Ist dieses vorhanden, wird eine Empfehlung an das Präsidium und den Fachausschuss ausgesprochen. Diese Gremien entscheiden dann auf Basis ihrer fundierten Expertise endgültig über den Aufbau der neuen Nutzungsprofile. Für die Organisation des weiteren Verfahrens ist die Geschäftsstelle zuständig: Die relevanten Marktteilnehmer werden informiert, Ablaufpläne entwickelt und eine Arbeitsgruppe gebildet. Deren Vorsitz übernimmt ein vom Präsidium bestimmter Experte, der mit seinem spezifischen Fachwissen die Qualität der inhaltlichen Arbeit sicherstellt.Nachhaltig entwickeln. Schritt für Schritt.
Die Entwicklung neuer Nutzungsprofile erfolgt in 11 Schritten:
- Arbeitsgruppen aus DGNB Mitgliedern leisten die inhaltliche Entwicklungsarbeit auf Basis des bestehenden DGNB Systems.
- Der Bereich Systementwicklung in der DGNB Geschäftsstelle übernimmt die Koordination und inhaltliche Unterstützung der DGNB Arbeitsgruppen. Ein Mitglied des Fachausschusses steht als Pate für das entsprechende Nutzungsprofil für die begleitende Abstimmung zur Verfügung.
- Die DGNB Geschäftsstelle nimmt frühzeitig die Anmeldungen für Pilotprojekte entgegen. Diese Auditoren erhalten die Entwürfe der Kriteriensteckbriefe zur Kommentierung.
- Der DGNB Fachausschuss prüft die Ergebnisse, überarbeitet diese in Abstimmung mit den Arbeits- und Expertengruppen und verabschiedet den Entwurf des Nutzungsprofils. Auf der Basis des verabschiedeten Kriteriensatzes erarbeitet die DGNB Geschäftsstelle die zugehörigen Dokumentationsanforderungen.
- Liegt eine ausreichende Anzahl von Projekten für das neue Nutzungsprofil vor – es sollten in der Regel mindestens zehn sein – beginnt die Erstanwendung.
- Es sind weiterhin auch Vorzertifikate für die Erstanwendung zugelassen. Für diese gelten jedoch zukünftig für gewisse Kriterien die Verpflichtung den vollständigen Nachweis analog zum Zertifikat zu führen. Hierzu zählt beispielsweise unter anderem das Kriterium 16 (Lebenszykluskosten) sowie nutzungsprofilspezifische neue Kriterien die erstmalig angewendet werden. Die vollständige Liste der jeweils zu bearbeitenden Kriterien wird für jedes Nutzungsprofil festgelegt und den Auditoren vorab zur Verfügung gestellt.
- In der Erstanwendung finden 2-3 Workshops für die Auditoren statt, um die Kriterieninhalte vorzustellen, sowie Anwenderfragen zu diskutieren. Diese Workshops sind für die Auditoren kostenfrei.
- Vorschläge der Auditoren können in Abstimmung mit der Geschäftsstelle auf einem Beiblatt dokumentiert werden und ggf. in der Erstanwendung berücksichtigt werden. Diese Vorschläge müssen jedoch final durch den Fachausschuss freigegeben werden und müssen bis zum 2. Praxisworkshop vorliegen.
- Die teilnehmenden Projekte der Erstanwendung werden auf Basis der Kriterien und der Beiblätter geprüft und erhalten ein (Vor-) Zertifikat. Alle Bauherren der Erstanwendung verpflichten sich, zu einem bestimmten Zeitpunkt einzureichen und erhalten gleichzeitig nach Einreichung und Prüfung der entsprechenden Unterlagen ein (Vor-) Zertifikat. In der Regel erfolgt dies im Rahmen einer DGNB relevanten Messe (Consense, Expo Real, Bau …). Hierfür erhalten sie den Rabatt auf die Zertifizierungsgebühren von 20%. Projekte die nicht an der Erstanwendung teilnehmen müssen nach Marktversion zertifizieren.
- Nach dem Abschluss der Erstanwendung die ca. 4 Monate dauert, werden die Kriterien und die Beiblätter erneut im Fachausschuss diskutiert und für die Marktversion verabschiedet.
- Die DGNB Geschäftstelle erstellt die Marktversion, die für alle folgenden Projektanmeldungen verbindlich eingeführt wird.
Qualität sichern. Drei Säulen. Ein Fundament.
Um die Qualität des neu zu entwickelnden Nutzungsprofils auf ein sicheres Fundament zu stellen, setzt die DGNB auf drei wichtige Säulen:
- Die fundierte Expertise der involvierten Arbeitsgruppen und des Fachausschusses.
- Konsequente Durchführung von Erprobungsphasen in Evaluierungs- und Pilotprojekten zur Sicherstellung der Praxistauglichkeit.
- Ein systematisches Kommentierungsverfahren.
Die Evaluierungsphase. Von Praktikern für Praktiker.
In die Entwicklung und den Entscheidungsprozess der verschiedenen Nutzungsprofile werden von Anfang an Experten aus der Praxis einbezogen. Für sehr Anspruchsvolle bzw. neue Themenstellungen besteht die Möglichkeit noch vor der Erstanwendung eine Evaluierungsphase durchzuführen. Die DGNB bietet im Rahmen einer solchen Evaluierungsphase interessierten Bauherren und Auditoren die Möglichkeit, ihr Know-how bereits während der Erarbeitung einzelner Nutzungsprofile einzubringen. Ihre Projektdaten und Erfahrungen fließen somit schon in der Evaluierungsphase, also noch vor der Erstanwendungsphase, in den Aufbau neuer Nutzungsprofile ein und stellen die weitere Entwicklung auf eine solide Basis.
In der Evaluierungsphase erhalten die beteiligten Auditoren die erarbeiteten Kriterienentwürfe aus der Arbeitsgruppe. Die Auditoren wenden diese Kriterien anschließend in ihren Projekten an. Die dabei gesammelten Erfahrungen und Daten werden in gemeinsamen Workshops mit der jeweiligen Arbeitsgruppe ausgetauscht.
Eine Evaluierungsphase wurde bisher für die Nutzungsprofile „Modernisierung Büro- und Verwaltungsgebäude" und "Neubau Stadtquartiere“ durchgeführt.
Die Erstanwendung. Praxis erproben. Stellschrauben justieren.
Jedes neu entwickelte Nutzungsprofil durchläuft eine Erstanwendung. Hier werden die erarbeiteten Kriterien und die Bewertungsmethodik auf ihre Praxistauglichkeit getestet. So ist es möglich, die festgelegten Ziel- und Referenzwerte für die Leistungsfähigkeit der betreffenden Gebäude im Bedarfsfall zu optimieren. Alle Auditoren, die an der Erstanwendung teilnehmen, werden im Rahmen eines Workshops mit den spezifischen Besonderheiten des neuen Nutzungsprofils vertraut gemacht. Sie haben die Möglichkeit Ihre Erfahrungen direkt in die Systementwicklung einzubringen.
Die Veröffentlichung. Tools erstellen. Arbeiten vereinfachen.
Nach Abschluss aller Arbeiten an der Formulierung des neuen Nutzungsprofils, werden die zugehörigen Kriterien und ihre Inhalte für Auditoren veröffentlicht. Die relevanten Daten laden die zugelassenen Auditoren mit ihrem persönlichen Passwort aus dem internen Bereich der DGNB Website herunter. Weiter ist geplant, dass die DGNB das inhaltlich angepasste Handbuch sowie die aktualisierte Software zur Verfügung stellt.
Die Kommentierungsphase. Fachwissen abrufen.
Ist ein Nutzungsprofil einige Zeit am Markt erfolgreich nutzt die DGNB die hohe Expertise ihrer Mitglieder zur weiteren Optimierung des Nutzungsprofils. Über ein speziell entwickeltes Onlinetool werden die Inhalte auf der DGNB Website bereitgestellt. Hier haben alle Mitglieder die Möglichkeit, den allgemeinen Inhalt und die Anwendbarkeit zu kommentieren. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den einzelnen Kriterien. Hier können konkrete inhaltliche Optimierungsvorschläge gemacht werden. Dazu stehen ca. 8 Wochen zur Verfügung. Anschließend wertet die DGNB Geschäftsstelle die Kommentare aus und übergibt sie den Arbeitsgruppen zur finalen Prüfung.